Wassergefüllte Flutrinne
Bodengeographie

Der Landschaftsraum "Hessisches Ried" wird im vorliegenden Beitrag als der Raum verstanden, der sichtbar durch die fluviale Tätigkeit des Rheins geschaffen und weitergebildet wurde, d. h. das pleistozäne Hochgestade sowie die holozäne Aue. Nicht eingeschlossen ist folglich der Verlauf des Altneckars oder "Bergstraßenneckars" (Abb.).
 
Zu den wichtigsten bodenbildenden Faktoren zählen das Klima, das Relief, das Ausgangsgestein, die Wasserverhältnisse, Flora und Fauna, der Mensch und die Zeit. Auf die Faktoren wird bei der Beschreibung der jeweiligen Bodenlandschaften eingegangen. Zum Klima lassen sich dagegen allgemeingültige Aussagen treffen: Jahresdurchschnittstemperaturen 9,5°C, Jahresniederschlag 600 - 700 mm.
 
Den Aufsatz sowie die dazugehörige Karte mit Legende finden Sie rechts im Downloadbereich.

 
Anschrift der Autoren:
Winfried Rosenberger, Prof. Dr. Karl-Josef Sabel
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Postfach 3209
65022 Wiesbaden

Aufsatz: Themen
Das Hochgestade
Als Hochgestade wird folgend der Teil des Tieflandes des Oberrheins verstanden, der fast alle Ortschaften und historischen Verkehrstrassen trägt. Die Fläche ist in der letzten Kaltzeit (Würm) aufgeschottert und anschließend vor allem im Norden mit Hochflutlehmen bedeckt , im Süden mit Flugsand überweht worden.
Die Aue des Rheins
Die Aue des Rheins besteht aus einer Vielzahl von Mäandergenerationen, die sich ineinander verschnitten. Ihr morphologischer Aufbau und die Sedimentverteilung sind prinzipiell immer gleich. Sie gliedern sich in einen Mäanderbogen, dem heutigen Altlauf, und in das von ihm umfasste jeweils jüngste Entwicklungsstadium der Umlauffläche, bevor der Durchbruch an der engsten Stelle erfolgte und den Mäander inaktivierte.
Die mittlere Mäandergeneration
Die mittlere Mäandergeneration zeichnet sich durch wesentlich engere Altlaufradien und auffallend geringe Flussbreiten mit nur einem Stromstrich aus. Auffallendes Merkmal der Umlauffläche ist bis auf die Uferwälle die Feinkörnigkeit und der scheinbar hohe Humositätsgrad der Auensedimente, der durch den gleichmäßig und sehr fein verteilten Humus vorgetäuscht wird.
Die älteste Mäandergeneration
Die Altläufe der ältesten Rheinmäander schneiden sich mit einer markanten Stufe in das Hochgestade ein. Sie sind auffallend breit und in torfhaltige Rinnen und sandige Dammuferrücken gegliedert. Die Umlauffläche, die durch eine Vielzahl kleiner, mit tonigen Auensedimenten verfüllten Rinnen gegliedert ist, trägt bis auf einige Areale weniger sandige Sedimente als das Hochgestade. Das Trockenfallen dieser ältesten Mäandergeneration und der Beginn der terrestrischen Bodenbildung setzte wohl während des Boreals, vor ca. 8000 bis 9500 Jahren ein.
Die jüngere Mäandergeneration
Die sehr weiten Krümmungsradien der Altläufe, aber auch gestreckte, auffasernde Verläufe der jüngeren Mäandergeneration etwa seit dem Subboreal (5500 bis 6000 vor heute) deuten einen erneuten Wechsel des Abflussverhaltens des Rheins an. Es kommen vorwiegend sandig-schluffige und durchweg kalkhaltige Auensedimente zur Ablagerung, was mit einer erneuten Zunahme der Abflussmenge erklärt wird. Dies ist sicher nicht allein mit der Klimaungunst des Subatlantikums zu begründen, da der Oberflächenabfluss auch durch die Rodungstätigkeit des Menschen und der extremen Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen gefördert wurde.

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