Die jüngere Mäandergeneration

(Abb.: Flächen 4.4.1.1, 4.4.1.29)

Die sehr weiten Krümmungsradien der Altläufe, aber auch gestreckte, auffasernde Verläufe der jüngeren Mäandergeneration etwa seit dem Subboreal (5500 bis 6000 vor heute) deuten einen erneuten Wechsel des Abflussverhaltens des Rheins an. Es kommen vorwiegend sandig-schluffige und durchweg kalkhaltige Auensedimente zur Ablagerung, was mit einer erneuten Zunahme der Abflussmenge erklärt wird. Dies ist sicher nicht allein mit der Klimaungunst des Subatlantikums zu begründen, da der Oberflächenabfluss auch durch die Rodungstätigkeit des Menschen und der extremen Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen gefördert wurde.

 

Charakteristisch sind durch den hohen Grundwasserstand semiterrestrische Böden, wie Vegen und Auengleye. Während die älteren Flächenelemente dieser Mäandergeneration noch Rheinweißausbildung aufweisen, trifft dies für die jüngeren nicht mehr zu, da sie noch im rezenten Grundwasserschwankungsbereich liegen. Das juvenile Alter, die dynamische, fortwährende Sedimentation und die junge Formung erklären die fehlende Vertorfung der Altlaufrinnen, eine Niedermoorbildung ist allenfalls im Anfangsstadium. Infolge des Ausbaus der Deichanlagen, die die Retentionsräume noch mehr einengen und die Fließgeschwindigkeit erhöhen, verschiebt sich das Korngrößenspektrum noch stärker zum Sand. In ihm haben die Böden erst das Entwicklugsstadium der Auenpararendzina erreicht.

 

Die Rheinbegradigung und der Mäanderdurchstich am Kühkopf im vorletzten Jahrhundert gaben der Flussrinnenvertiefung und dem Sedimenttransport neue Impulse. Zur Sicherung der Flussufer wurden Ende des 19. Jahrhunderts Buhnen angelegt, die direkt am Ufer eine sandige und ausgesprochen kiesige Auensedimentation fördern, in denen Auenlockersyroseme ausgebildet sind. Die jüngsten, sehr häufigen Überflutungen ausgesetzten Auenbereiche sind anthropogen besonders stark beeinflusst. Während die Auensedimente jenseits der Dämme keine bemerkenswerten Schadstoffbelastungen aufweisen, sind vor dem Dammsystem z. T. sehr hohe Metallanreicherungen nachweisbar.

 

Sie konzentrieren sich auf die jüngsten Sedimente, was den Schluss nahe legt, dass sie anthropogen verursacht mit der Entwicklung der Industrie in Beziehung stehen. Erfreulich ist aber die Abnahme der Belastungen in den allerjüngsten Ablagerungen, was offensichtlich als ein Beweis für den Erfolg der Bemühungen für eine verbesserte Wasserqualität im Rhein zu werten ist.