Die mittlere Mäandergeneration

(Abb.: Flächen 4.4.2.1, 4.4.2.3)

Die mittlere Mäandergeneration zeichnet sich durch wesentlich engere Altlaufradien und auffallend geringe Flussbreiten mit nur einem Stromstrich aus. Auffallendes Merkmal der Umlauffläche ist bis auf die Uferwälle die Feinkörnigkeit und der scheinbar hohe Humositätsgrad der Auensedimente, der durch den gleichmäßig und sehr fein verteilten Humus vorgetäuscht wird.

 

Die Genese dieser Ablagerungen muss auf einen Wandel des Abflussregimes zurückgeführt werden, da die feinkörnigen Ablagerungen sehr ruhige, Stillwasser ähnliche Sedimentationsbedingungen erfordern. Zugleich setzt der Humusgehalt im Sediment eine hohe Produktion von Biomasse voraus. Die mittlere Mäandergeneration wurde wohl spätestens ab dem Atlantikum (ca. 8000 a vor heute) angelegt, eine Zeitphase, die als Klimaoptimum des Holozäns wärmer (1 - 2°C) und niederschlagsreicher als das derzeitige Klima war. Offensichtlich hatte der Fluss eine starke, aber sehr ruhige und gleichmäßige, Wasserführung. Die "Schwarzen Tone" kamen nämlich nicht nur auf der Mittleren Mäandergeneration zur Ablagerung, sondern auch in den Rinnen und Senken der Älteren Mäandergeneration. Im Norden des Riedes auf den Mäandern zwischen Leeheim und Astheim wurden gar die Flächen der älteren Mäandergeneration überdeckt und die verbreiteten Tschernoseme begraben und dadurch fossiliert.

 

In den tonreichen Substraten haben sich Pelosole, umgangssprachlich als Brummelochsen-Böden bekannt, entwickelt, deren charakteristischer bodenbildender Prozess die Peloturbation ist. Damit wird der Wechsel von Quellen und Schrumpfen des Substrates beim Befeuchten bzw. Austrocknen verstanden. Bei sehr häufiger Wiederholung dieser Prozesse bildet sich ein typisches Säulengefüge mit an den Seiten oft glänzenden Tonhäutchen heraus. Während die Bodenmatrix im feuchten, aufgequollenen Zustand offensichtlich völlig strukturlos vorliegt, spalten sich beim Schrumpfen einzelne Gefügeelemente ab. Diese Substratstrukturierung wird nach und nach immer stabiler, die Säulenaußenseiten stoßen immer wieder aneinander, so dass sich dort die Tonminerale flächig anordnen und wie ein Hautüberzug wirken. Vor allem im Sommer nach längeren Trockenperioden entstehen tiefe Risse (bis 50 cm Tiefe), in die auch Pflanzensubstanz hineinfallen kann, die beim folgenden Quellen im Boden "einverleibt" wird.

 

Die Tone besitzen ein deutliches Übergewicht an Fein- und Feinstporen, die zwar sehr viel Wasser speichern, es aber wegen der Adhäsionskräfte in den Poren nicht versickern lassen. Wegen der weitgehenden Stagnation des Bodenwassers verzögern sich auch viele Verwitterungsprozesse zumal im gequollenen Zustande auch keine Oxidationsprozesse erfolgen.

 

Da die Wurzeln Mühe haben das Substrat zu durchdringen, sind die Pelosole als Pflanzenstandort sehr problematisch. Im ausgetrockneten Zustande werden die Aggregate steinhart, feucht dagegen dicht und luftarm. Zudem führt die Peloturbation zu Wurzelbeschädigungen. Trotz der hohen Wasservorräte sind die meisten Pflanzen nicht in der Lage die nötige Saugspannung zu entwickeln, um sie dem Boden zu entziehen. Die Böden sind vor allem nach der Ernte an dem auffallenden Kluftnetz zu erkennen. Im Gegensatz zu den Böden der älteren Mäandergeneration zeigen die meisten Standorte der mittleren rezente Grundwassermerkmale vornehmlich im Unterboden. Lediglich die meist die Rinnen begleitenden Uferdämme weisen rein terrestrische Bodenbildungen auf. Die Altläufe sind überwiegend vermoort.

Downloads: 

von Winfried Rosenberger und Prof. Dr. Karl-Josef Sabel Hess. Landesamt für Umwelt und Geologie